»Ich bin ein Menschenfotograf«

Der Wiener Bildgestalter Boris Berghammer im Gespräch über fotografische Beziehungen, kontrollierten Kontrollverlust und sein alter Ego pictureBOB.

Was bedeutet pictureBOB für Sie?
Ich verstehe pictureBOB nicht als reinen Künstlernamen, sondern als eine Art zweites, mein fotografisches Bewusstsein. Daher verwende ich für diesen elementaren Teil meines Lebens auch eine eigene Identität, die sich ausschließlich der Bildgestaltung widmet.

Sie bezeichnen sich lieber als Bildgestalter denn als Fotograf …
Natürlich handelt es sich letztlich nur um Begrifflichkeiten, aber andererseits geht es mir auch um eine möglichst zutreffende Definition meiner Arbeitsweise. Bildgestaltung stellt hier sicherlich eine präzisere Beschreibung dar, denn das Fotografieren selbst ist nur ein Teil des gesamten kreativen Schaffensprozesses. Die Bilder gewinnen erst danach ihren eigenen Ausdruck und ihre Intensität. Die dazu nötigen Elemente sind zum Zeitpunkt der Aufnahme natürlich schon im Bild vorhanden, man muss sie allerdings nachträglich immer noch verdichten, wie ich diesen Vorgang nenne. Es handelt sich also immer um einen subtraktiven Vorgang, der inhaltlich unrelevante Elemente entfernt, und nie um einen additiven, der Inhalte nachträglich hinzufügen würde.

Lassen Sie uns über Inhalte sprechen: Worum geht es in Ihren Bildern?
Meine Bilder handeln immer von Beziehungen, Beziehungen auf verschiedenen Ebenen. Einerseits von der Beziehung zwischen der porträtierten Person und mir, zumeist eine sehr intensive Beziehung, die sich aus zahlreichen Vorgesprächen, einem Annäherungsprozess entwickelt. Andererseits handeln die Bilder aber auch von der Beziehung zwischen Objekt – dem Raum der Handlung – und Subjekt – dem Menschen in diesem Raum. So gesehen interpretieren meine Bilder auf dieser Ebene ein sehr universelles Thema, das jeden einzelnen betrifft: seinen Einfluss auf die Umwelt und den Einfluss der Umwelt auf ihn.

Aber lassen sich diese Beziehungsebenen auch bewusst herstellen?
Sie haben natürlich völlig Recht: interessante Beziehungen entwickeln sich immer nur unter freibestimmten Bedingungen, selten vorsätzlich. Daher gibt es bei meinen Aufnahmen auch kein Drehbuch im klassischen Sinn, sondern nur einige Grundparameter, die den Rahmen bilden. Innerhalb dieses Rahmens bleibt alles andere möglichst frei und entwicklungsfähig, wird vor Ort erarbeitet, entsteht aus der Spannung zwischen Modell, Fotograf, Raum und Zeit. Dadurch ist das Porträt eines Menschen auch nicht in gleicher Form wiederholbar, die entscheidenden Parameter verschieben sich ja ständig. Auch wenn Sie es nicht bewusst wahrnehmen: Sie sind heute nicht exakt jene Person, die Sie gestern waren oder morgen sein werden; ebenso ist der Raum permanenten Wandlungen unterworfen …

Das vollständige Interview finden Sie in »Celebrating the Color« auf den Seiten 196 und 197. Auf Anfrage schicken wir Ihnen gerne diese Seiten, zusammen mit weiteren Auszügen aus dem Buch, als PDF zu.

pictureBOB
»Celebrating the Color«

200 Seiten • 240 Abbildungen
Hardcover • 23 x 30 cm